Unser 15. Jahrgang: Nach einem heissen und trockenen 2017 dachten wir eigentlich, dass es nicht viel arger kommen könnte. Offensichtlich sind aber unsere Wetter-Fantasien noch nicht so ausgeprägt: Eisregen und Kälte zu Beginn des Jahres, verdorrte Äste, kaum Blüten, anhaltende Trockenheit und dann der orkanartige Sturm zur Erntezeit: Un vero disastro! Im September mussten wir ein gutes Drittel unserer Bäume ein zweites Mal schneiden: Die inzwischen verdorrten grossen und kleinen Äste mussten herausgeschnitten werden. Bei einigen Bäumen war der Eingriff so schlimm, dass am Schluss nur noch der blanke Stamm geblieben ist. Und nicht genug: der orkanartige Sturm der folgte, war wohl der heftigste, an den sich die Einheimischen erinnern konnten. La fine del mondo… so fühlte er sich dort an.

Glücklicherweise starteten wir die Ernte dieses Jahr bereits am 15. Oktober, also vor dem Sturm. Deutlich, denn bereits am folgenden Tag blieben die Netze wieder leer. Wir waren in Rekordzeit durch und erzielten auch ein (Negativ-) Rekordergebnis: nur knapp 600 kg schöne Oliven. Es wurde eine einzige Fahrt mit Oliven nach Montenero, wo uns die Mühle eine Jahresausbeute von gerade einmal 80 kg Olio produzierte. Aber das konnten wir so nicht stehen lassen…

Auf Anfrage war die Mühle – trotz ihres eigenen Engpasses – dazu bereit, uns zusätzlich bestes Olio zu verkaufen. Mille Grazie! Zusammen mit Giorgio Franci ist es gelungen, für einmal einen Bezzughello-Blend zu kreieren. Nicht wie zunächst vorgesehen mit Oliven aus einem Franci-Hain in Montalciono, weil dort alle erntereifen Oliven ihr sturmbedingtes «fine del mondo» auf dem Boden gefunden haben. Und so wurden es Oliven aus Apulien, die unseren Bezzughello-Oliven Gesellschaft leisteten:  „La Toscana incontra La Puglia“. Das erste Mal, dass Bezzughello nicht ausschliesslich aus Oliven unseres kleinen Podere’s in der Maremma hergestellt wurde. Das Resultat darf sich aber dennoch schmecken lassen! Sie werden das frische, aromatische Extra Vergine von mittlerer Intensität mögen! Übrigens sind die Labor-Werte auch für den Blend ausgezeichnet ausgefallen.

Weil wir im November mit dem Anhänger in die Schweiz zurückfahren mussten, hat sich das Franci-Team mächtig ins Zeug gelegt und die Flaschen bereits am 07.11.18 abgefüllt. Tante grazie a tutti. So konnten wir es direkt mitnehmen und die Verzollung selber vornehmen. Jetzt liegen 660 neue Halb- und Dreiviertel-Liter-Flaschen für Sie in unserem Keller in Olsberg bereit. Nicht viel, aber immerhin. Kostenloses Versucherli gefällig?

Zum Glück haben wir noch einige Flaschen vom letzten Jahr vorrätig. Bis diese aufgebraucht sind, erhalten Sie – ohne andere Absprache – Ihre Bestellmenge jeweils hälftig von jedem Jahrgang.

So sahen die „Ernte-Sprünge“ der vergangenen Jahre aus:

2018/2019 > Ernte 15.10. – 16.10.18 (1.5 Erntetage) > 600 kg Oliven > 660 0.50/0.75l-Flaschen (Blend)

2017/2018 > Ernte 27.10. – 01.11.17 (6 Erntetage) > 2’700 kg Oliven > 750 0.50/0.75l-Flaschen

2016/2017 > Ernte 24.10. – 03.11.16 (9 Erntetage) > 8’000 kg Oliven > 1’280 0.50/0.75l-Flaschen

2015/2016 > Ernte 23.10. – 03.11.15 (8 Erntetage) > 4’000 kg Oliven > 800 0.50/0.75l-Flaschen.

2017 wird wohl als eines der heissesten und trockensten Jahre in der Provinz Grosseto eingehen. Von der Blüte bis zur Reife haben unsere Früchte bestimmt keinen einzigen ganzen Regentag erlebt. Entsprechend viele kleine Oliven sind über den Sommer abgefallen oder haben das Blütenstadium gar nicht erst überstanden. Die Oliven konnten auch nicht richtig wachsen und sind teilweise bis zur Ernte leicht „schrumplig“ geblieben. Aber immerhin gesund, denn ein grosser Vorteil war es, dass den Fruchtfliegen diese klimatischen Bedingungen auch nicht sonderlich gefielen und weitestgehend fernblieben. Die Ernteplanung war für uns wegen des Abwartens auf noch etwas Regen und des wetterbedingt ungewohnt fortgeschrittenen Reifegrades nicht besonders optimal. Seit langem hatten unsere Oliven deshalb schon mehrheitlich eine dunkle Farbe. Nicht überreif, aber doch ziemlich schwarz. Wir beschlossen, Bäume, die etwas mehr unter der Trockenheit gelitten hatten und deren Früchte besonders klein waren – kaum Fruchtfleisch, nur Haut und Stein – konsequent nicht zu ernten. Damit wollten wir verhindern, dass das Olio vielleicht eine zu bittere Note bekommen würde.

Bei perfektem Wetter starteten wir am 27.10.17 mit dem Auslegen der Netze. Beim Ernten merkten wir schon bald, dass wir gewichtsmässig deutlicher weniger Oliven in die Kisten brachten, als im Vorjahr. Erstmals im Einsatz stand ein kleiner, modifizierter Defogliatore (von Olita), den wir an unserer „Verlese-Station“ in Betrieb nahmen. Vorbei sind die Zeiten des Klagens über schmerzende Knie und Rücken vom Verlesen direkt auf dem Boden/Netz. An dieser Stelle nochmals ein ganz grosses Dankeschön an unsere Erntehelfer, die Freunde aus der Toskana, Uli aus München, Beni aus Fribourg sowie unserem Sohn Nicolas mit seiner Freundin Irena. Mit euch allen hat es Spass gemacht!

Nach 6 Tagen, am 1. November, haben wir den letzten Anhänger für die Fahrt nach Montenero d’Orcia beladen. Am Ende brachten wir insgesamt 2,7 Tonnen gesunde Oliven auf die Waage, welche – begünstigt durch den Reifegrad – extrem ölhaltig waren. Im Durchschnitt betrug die Ausbeute (Resa) gut 22 %. Das heisst, aus 100 kg Oliven wurden 22 kg Extra Vergine gewonnen. Einen solch hohen Wert kannten wir bisher nur vom Hörensagen. In den Flaschen-Verkauf kommen so über 500 Liter feinstes Bezzughello-Olio, welche bei Franci in einem mechanischen Prozess, bei dem die Öl-Temperatur 26° nie überstieg, gewonnen wurde. Im Dezember füllte es die Mühle in 750 Flaschen (0.75 und 0.50 Liter) und in die kleinen 10-cl-Degu-Fläschchen „Olio-to-go“ ab. Noch in der gleichen Woche überführte der „Yes we can“-Transport „Schöni“ das volle Palett direkt zum Olsberger Olio-Keller.

Sie können sich freuen. Trotz allen naturbedingten Besonderheiten ist es geschmacklich wieder ein sehr frisches und intensives Olio geworden. Nach bester Bezzughello-Tradition. Sie werden es mögen. Auch die Labor-Werte sind ausgezeichnet ausgefallen.

Nachtrag: Was tun, wenn die Ernte nach 6 Tagen schon vorüber ist? Olivenholz schneiden für die kühlen Toskana-Tage, Weingüter und Ristorante besuchen und Spaziergänge am Meer… Ein wirkliches Problem war das nicht. Im Bereich Unsere Toskana haben wir Alternativen für Sie gesammelt.

Ernte-Impressionen aus den Jahren vor 2016/2017.

Haben wir Sie gluschtig gemacht?

Mit ein paar wenigen Klicks holen Sie sich den frischen Geschmack, den Sapore dell’Olio Extra Vergine di Oliva Toscano, in Ihre Küche.